Konzert Review: Meat Wave 31.1.2018

Kurz vor 9 Uhr betreten Sänger/Gitarrist Chris Sutter, Bassist Joe Gac und Schlagzeuger Ryan Wizniak die Bühne der Hafenkneipe im Zürcher Kreis 4, umgeben von Plastikmöwen und Modellschiffen. Sutter bedankt sich beim Publikum und stellt seine Band kurz vor: „We’re Meat Wave from Chicago.“ Meat Wave spielen Lo-Fi-Noise-Punk, der etwa an Cloud Nothings oder Steve Albinis Shellac erinnert. Albini hat übrigens auch The Incessant, Ihr Album aus dem vergangenen Jahr, produziert. Mit „The Incessant“, was so viel wie „das Unaufhörliche“ bedeutet, beschreibt Sänger Chris Sutter die ununterbrochene, selbstzerstörerische Angst, die er auf dem Album konfrontiert.

Meat Wave eröffnen das Konzert, nach einer Bemerkung über ihre schöne Fahrt durch die Alpen, mit No Light, einem der melodischeren Stücken von The Incessant. Man erkennt an seinen geschlossenen Augen und rauen Stimme, wie emotional dieses Lied für Sutter ist. Das Publikum, welches sowohl aus Zürcher Hipster um die 25 wie auch ältergewordenen ehemaligen Punks besteht, ist sofort begeistert. Schlagzeuger Wizniak zieht sein T-Shirt aus und die Band startet mit Erased vom 2015 Album Delusion Moon.

Nach diesem Song bemerkt Sutter: „When we got here, they started getting us drunk immediately. So now we’re totally wasted.” Mit der riesigen Auswahl an Bier und Spirituosen in der Hafenkneipe überrascht dies nicht, man würde es aber an der Präzision, mit der Sutter seine schrägen, verzerrten Gitarrenklänge spielt, nicht erkennen. Meat Wave spielen nachher 3 Songs von The Incessant hintereinander, zuerst den Title-Track. Die Songs gehen ohne Unterbruch direkt ineinander über, und haben live längere Instrumentalabschnitte als auf dem Album.

Als das Publikum die Band danach feiert, applaudiert Sutter ebenfalls das Publikum, bevor die Band weitere Tracks von The Incessant wie auch Cosmic Zoo von Delusion Moon spielt. Bassist Gac hüpft bei diesen Songs, wie auch sonst an diesem Abend, auf der kleinen Bühne der Hafenkneipe herum. In der vorderen Reihe wird ebenfalls voller Freude mitgetanzt, entsprechend bedankt sich Sutter erneut beim Publikum und kommentiert noch: „I have a feeling we’re going to do some fucking partying after this.“

Mit Leopard Print Jet Ski und Bad Man spielen Meat Wave zwei der besten Tracks von The Incessant, aber beim darauffolgenden Song Sunlight zeigt die Band erst recht, weshalb ihre Musik als „Noise Rock“ bezeichnet wird. Schlagzeuger Wizniak liefert seinen wuchtigsten Einsatz des ganzen Abends, und Sutters dissonante Gitarrentöne werden in so viel Feedback getränkt, dass den Zuhörern die Ohren richtig schmerzen. Das war es aber definitiv Wert, und Sutter kündigt noch einige weitere Lieder an.

Run You Out und Delusion Moon bilden einen melodischen Kontrast zu den vorherigen lärmigen Stücken, man könnte sie fast als Power-Pop bezeichnen. Der emotionale Höhepunkt des Konzerts folgt aber in Form von Killing The Incessant. In diesem Song beschreibt Sutter, wie er seine Angstgefühle besiegen konnte. Mit geschlossenen Augen erlebt Sutter seinen Moment der Katharsis auf der Bühne, als er ins Mikrofon schreit.

Von diesem Höhepunkt kommt die Band aber auch schnell wieder runter, Sutter kündigt ganz ruhig an, die Band werde noch zwei Songs spielen. Diese sind Sham King und Brother, zwei pulsierende Punk-Rock Nummern, welche die Energie im Publikum noch zum letzten Mal ansteigen lässt. Die Band verabschiedet sich kurz und knapp, aber Bassist Gac unterhält sich für längere Zeit mit dem Publikum. Die T-Shirts, welche die Band am Merchandising-Tisch verkauft, lassen sich auch sehen, auf einem Exemplar ist ein kiffender E.T. abgebildet.

Meat Wave haben bei ihrem Auftritt in der Hafenkneipe auf voller Bandbreite überzeugt, darüber war sich das Publikum einig. Insbesondere die Stücke von The Incessant tragen live eine emotionale Wirkung, die sich auf der Platte nur andeuten lässt. Die Hafenkneipe mit ihrer intimen Atmosphäre war deshalb auch das perfekte Lokal für dieses Konzert, und tatsächlich haben Band und Publikum nach dem Auftritt noch weiter gefeiert, wie von Sutter angedeutet. Dies war Meat Waves erster Auftritt in der Schweiz, und wer ihn verpasst hat, sollte sich die Band beim nächsten Mal unbedingt anhören.

Bildquelle: allmusic.com

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