The World Is… (USA) – 27.3.2018

Dynamo Werk 21, Zürich

Support: Catalyst (CH) / Kamikaze Girls (UK)

Wer sich „The World Is A Beautiful Place And I Am No Longer Afraid To Die“ nennt, hält vermutlich nicht viel von kurzen und knappen Liedern. Tatsächlich spielt die Gruppe aus Connecticut in den USA Musik, die man als „orchestraler Emo“ beschreiben könnte: epische Gitarren und Vocals im Stil von Sunny Day Real Estate treffen auf Post-Rock Arrangements à la Explosions in the Sky. Es handelt sich eher um ein Musiker-Kollektiv als eine Band im traditionellen Sinne, ihr Lineup rotiert von Album zu Album. Bei ihrem Konzert im Dynamo Werk 21 am 27. März treten sie mit folgender Besetzung auf: David Bello (Gesang), Josh Cyr (Bass/Gesang), Tyler Bussey (Gitarre/Gesang), Chris Teti (Gitarre), Katie Dvorak (Keyboard/Gesang) und Steven Buttery (Schlagzeug). Bei ihrem ersten Auftritt in Zürich gelingt es Ihnen gut, ihre komplexen Arrangements auch auf der Bühne umzusetzen.

Den Abend eröffnen das Gitarre/Schlagzeug-Duo Catalyst. Zwar kommen sie aus St. Gallen, nicht Seattle, aber ein Vergleich mit Nirvana ist unvermeidbar: Sänger/Gitarrist Dominic Cursieri sieht aus und singt wie Kurt Cobain, und Lieder wie In The Desert weisen eine ähnliche laut/leise-Wechselwirkung wie Smells Like Teen Spirit auf. Die Band bedankt sich dafür, dass ZuhörerInnen für ihren Auftritt bereits zahlreich erschienen sind. Die Gruppe, welche nach dem m4music Festival bereits zum zweiten Mal dieser Woche in Zürich spielt, überzeugt, aber ihr fadengerader Rock ’n’ Roll wirkt neben dem emotiven Sound der beiden anderen Bands an diesem Abend schon etwas fehl am Platz.

Mit Kamikaze Girls aus Leeds, England betritt ein weiteres Duo als nächstes die Bühne. Lucinda Livingstones Gitarre klingt mal nach klirrendem Emo, mal nach verzerrtem Fuzz-Rock, Schlagzeuger Conor Dawson unterstützt sie stets mit vollem Einsatz. Songs wie Good For Nothingoder I Don’t To Be Sad Foreversprechen offen und ehrlich über psychische Krankheiten. Livingstone findet auch immer eine passende Stimme dazu, sei sie sanft und melodisch oder auch kratzig schreiend. Ihre Musik ist live noch viel überzeugender als auf der Platte, rau, direkt und emotional wirkungsvoll.

The World Is… starten ihr Set mit January 10th, 2014, einer ihrer besten Songs. Die etwas saloppe Vocals von Lead-Sänger David Bello und die melodische Stimme der Keyboardistin Katie Dvorak ergänzen sich in diesem Lied gut, die duale Gitarren von Tyler Bussey und Chris Teti wechseln mühelos zwischen leisen, atmosphärischen Tönen und wuchtigen Riffs ab. Erfreulicherweise tönen ihre monumentalen Arrangements auf der Bühne grösstenteils genauso wie auf den Platten, bei einigen Songs fehlen in der Live-Version allerdings Cello- oder Trompeten-Parts. Bello zeigt sich auf der Bühne ziemlich schüchtern, bis er ankündigt: „We’re going to play 3 songs from our album Always Foreign.They’re about American politics, so they’re very angry songs.“  Wut bedeutet in diesem Fall nicht laute Gitarren und geschriene Parolen, ganz im Gegenteil, Marine Tigers ist eine der ruhigsten Kompositionen, die The World Is… an diesem Abend spielen. Mit viel Nuance singt Bello über Xenophobie im trumpistischen Amerika, vielleicht ist diese subtile Art auch genau die richtige Antwort auf die Wutausbrüche des US-Präsidenten. Der absolute Höhepunkt des Konzerts ist aber die Zugabe, als Kamikaze Girls inklusive Merch-Verkäufer The World Is… bei Getting Sodas begleiten. Livingstones Stimme verleiht Texten wie „the world is a beautiful place but we have to make it that way” eine zusätzliche Dimension, worauf die epischsten Riffs des ganzen Konzertes von Josh Cyr, Tyler Bussey und Chris Teti in einem Instrumental-Part folgen.

Alles in allem sicher ein gelungener Konzert-Abend, auch wenn das Werk 21 noch lange nicht so voll war wie zuletzt bei The Menzingers oder Face To Face. Bei ihrem ersten Auftritt in Zürich haben The World Is… bewiesen, dass ihre Post-Rock/Emo-Mischung auch in einem Live-Setting funktioniert, auch wenn dieses Konzert nicht ganz so beindruckend war wie das der musikalisch gleichgesinnten Band Foxing vor einem Jahr im Gaswerk. Trotzdem könnten wir uns freuen, wenn The World Is A Beautiful Place and I Am No Longer Afraid To Die uns noch ein weiteres Mal besuchen würden.

Text: Milo Schärer / Foto: Epitaph Records

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